Leserbrief zum Artikel von Sylvia Binner über "Sechs Tipps für romantische Stunden" im Bonner General-Anzeiger vom 16. Juli 2025*.
"In ihrem Artikel „Sechs Tipps für romantische Stunden“ beschreibt Sylvia Binner erfreulicherweise auch einen ihrer „favorisierten Strandabschnitte an der rheinischen Riviera … zwischen Oberkassel und Niederdollendorf“. Und das zu Recht!
Abgesehen davon, dass dieser Strandabschnitt kein Niemandsland ist, sondern zu Oberdollendorf gehört, haben die Anwohner schon vor mehr als 100 Jahren die Eignung dieser Badestelle erkannt und 1912 ein Schwimmbad eröffnet, das in kurzer Zeit weit über Oberdollendorf hinaus von sich reden machte.
Nach einer Erweiterung Ende der 1920er Jahre um ein 50 m langes Gebäude mit annähernd achtzig Umkleidekabinen und einem Restaurant wurde das Bad „Deutschlands größtes und schönstes Fluss – Strandbad“. In Anzeigen warb das Bad mit „Sonnigster Lage, Liegewiese, Abgetr. Kinderspielplatz, Liegestühlen, Sportbahn, Strandbad-Restaurant, Parkplatz und 20000 qm steinlosem Sand“. Die Berliner Morgenpost schrieb 1928: „Von der breiten Terrasse führt eine Freitreppe zu dem 300 m langen prachtvollen Sandstrand, dem Strandkörbe das Aussehen eines Seebads verleihen. Für die Besucher des Siebengebirges stellt dies größte Strandbad am Rhein, das in der Lage ist, 14 000 Personen bequem aufzunehmen, eine willkommene Badegelegenheit dar“. 1929 sorgten 64 000 Besucher für eine Einnahme von ca. 31.000 RM. Regelmäßig wurden Volks-und Sportfeste veranstaltet. Bonner Badegäste erreichten das Bad ab 1928 bequem mit einem Omnibus der Bonner Verkehrs-Gesellschaft, der von 10 bis 21 Uhr halbstündlich vom Hansaeck aus fuhr. Nicht jedermann freute das fröhliche Treiben. Am 23. Juli 1928 fassten die katholischen Geistlichen der Dekanate Beuel und Königswinter in ihrer Versammlung im Kloster Heisterbach den Beschluss, in den Rheinstrandbädern eine strikte Trennung der Geschlechter sowohl im Wasser als auch am Strand zu fordern – in Oberdollendorf allerdings ohne Erfolg. Das Strandbad wurde 1944 von Brandbomben getroffen und das Gebäude brannte vollständig aus. Nach Abbruch der Ruine wurde auf dem Gelände ein, insbesondere bei dänischen und niederländischen Gästen beliebter, Campingplatz eingerichtet. Heute befindet sich dort „Am Strandbad“ (ehemals Grüner Weg) das Bootshaus des „Oberkasseler Wassersport- Vereins“ .
Das Virtuelle Brückenhofmuseum Königswinter und der Heimatverein Oberkassel zeigen auf ihren Internetseiten zahlreiche Fotos und Dokumente zur Geschichte des Bades.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Mechlinski
*) Den Artikel von Sylvia Binner können Sie über den untenstehenden Link lesen. |