BilderGalerie Gut Sülz 1930 - 1 -- mit einem Artikel von Dr. Manfred van Rey: "Weingut Sülz in Oberdollendorf"

Außen-Ansicht Wohnhaus GUT SÜLZ - West.

Das Gut Sülz liegt heute am Zuweg vom Rheinsteig, der - von Niederdollendorf kommend - durch Oberdollendorf und das Mühlental verläuft und an der Idyllenmühle auf den Hauptweg vom Rheinsteig stößt, der - von Bonn kommend - über den Oberdollendorfer Aussichtspunkt "Hülle" und den "Weinwanderweg" nach Heisterbach führt.

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Ferdinand und Maria Schuchert hatten am 12. März 1991 auf meine Anregung hin dem Heimatverein ein Bilderalbum "GUT SÜLZ 1930/1934" überreicht, aus dem die sw-Fotos stammen.
Ferdinand schrieb in einem Begleitbrief dazu folgende Zeilen:
"Den älteren Mitgliedern des Heimatvereins dürfte es noch bekannt sein, daß die heutige Gaststätte "Gut Sülz" über mehrere Jahrzehnte (1898 bis 1937) Wohneigentum der Familie Albert Römer war.
Lothar Vreden

Seit 12. März 1991 im Archiv des Heimatvereins Oberdollendorf

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Weingut Sülz in Oberdollendorf
Von Manfred van Rey

An einem warmen Sommerabend im Garten des Weinguts Sülz in geselliger Runde Oberdollendorfer Laurentiusberg oder Sülzenberg zu trinken, bereitet wahres Vergnügen. Hier trifft der Gast den Minister, die Bonner Studentin, die hiesige Familie in ungezwungener Geselligkeit an leicht schrägstehenden Tischen auf sanft kippenden Gartenstühlen an: Wer denkt dabei an die nicht ganz gesicherte 1000jährige Geschichte dieses Hofes.

Kein geringer als Otto d.Gr. hatte dem Aachener Marienstift einen Hof im belgischen Hasbengau übertragen. Als er ihn dann 966 - hier wird Dollendorf erstmals schriftlich erwähnt - dem Stift wieder entzog, um ihn seinem getreuen Graf Immo zu übergeben, der spät er einer seiner erbittertsten Gegner werden sollte, tauschte dieser dem Marienstift einige seiner Besitzungen ein, darunter im Auelgau in der Grafschaft des Eberhard in Limperich, Ramersdorf, Dollendorf, Rheinbreitbach und Zissendorf mit allem Zubehör, darunter Weinbergen.

1246 verkaufte das Marienstift die zum Hof (curia) Dollendorf gehörigen Einkünfte mitsamt allen Rechten in Limperich, Ramersdorf und Eschmar, das 966 nicht genannt war, an die Zisterzienserabtei Heisterbach. Es hat daher den Anschein, daß die Besitzungen Immos von 966 z.T. nur Einkünfte betrafen, die von einem Hof in Dollendorf bewirtschaftet wurden. Aachener Grundbesitz in Dollendorf ist auch 1211 bezeugt, als das Marienstift 3 Morgen Ödland und ein kleineres Grundstück mit Heisterbach gegen eine nahe an seinem Gut gelegene Weinlage eintauschte.

Da danach das Aachener Marienstift als Grundbesitzer in Dollendorf nicht mehr bezeugt ist, andererseits Gut Sülz seit 1350 als Mittelpunkt der Heisterbacher Weinbergswirtschaft in der Mark Dollendorf auftritt, darf angenommen werden, daß Gut Sülz mit dem Aachener Hof von 1246 identisch ist, zwischen der Mitte des 13. und 14. Jahrhunderts also an Heisterbach überging.

Der zur Sülz gehörige Weinbergbesitz war wohl recht umfangreich, eine Reihe von Dollendorfer Winzern hatte zum Hof gehörige Weingärten gegen ein Drittel des jährlichen Ernteertrages zu Lehen. Sie mußten sich am Samstag vor Mariä Himmelfahrt auf Gut Sülz zur Regelung ihrer Pachtangelegenheiten einfinden.

Die ,,curtis Sulsa", der Sülzenhof, ist dabei zum ersten Mal namentlich genannt. Der Name leitet sich wahrscheinlich von ,,Suhle", einer Sumpfstelle in Wiese oder Acker ab, wie die Form ,,in der Suls(s)en" von 1555 nahelegt. Auf Gut Sülz wurden 1369 auch die Pächten für andere Heisterbacher Grundstücke entrichtet.

Neben der Abtei Heisterbach hatte auch der Erzbischof von Köln Rechte an der Sülz, seit wann und aus welchem Grund, ist nicht bekannt. Das halbe Miteigentum am benachbarten Gereonshof hatte Erzbischof Dietrich von Moers 1415 an Heisterbach verkauft, vielleicht damit auch die Rechte am Sülzenhof. Sie sind erstmals im Weistum von Oberdollendorf von 1540 bezeugt. Die Abtei Heisterbach mußte ihretwegen einen der sieben Anerben oder Geschworenen in das Kirchspiels- oder Nachbargeding stellen und im Kriegsfall Dienste leisten. Der Sülzenhof entrichtete den beiden Gemeindeschützen zu Oberdollendorf jährlich 5 Sümber Korn.

Die Abtei Heisterbach bewirtschaftete den Hof nicht selbst, sondern ihr Halfe, der It. Weistum von 1540 mit dem Mertenhof und dem Edelkirchener Hof [heute: Malteserhof] zu Römlinghoven zusammen bei Gewitter in der benachbarten Pfarrkirche St. Laurentius die Glocken läuten mußte.

Seit dem Spätmittelalter war die Sülz ein sog. Freihof, denn 1396 befreiten Johann von Loon und seine Ehefrau Margaretha von Gennep, Herrin zu Heinsberg und Löwenberg, um ihrer, ihrer Vorfahren und Nachkommen Seelenheil willen die Abtei Heisterbach von allen auf ihrem Hof Sülz und seinem Zubehör lastenden landesherrlichen Steuern Schatzung) und Abgaben (Kurwein).

Im 17. Jahrhundert begegnet Johann in der Sultzen 1651 als einer der sieben Anerben in Oberdollendorf. Der Name des Sülzenhofes war also auch zum Familiennamen geworden. Als 1803 die Abtei Heisterbach aufgehoben und ihre Güter verstaatlicht wurden, gehörten zum Gut Sülz insgesamt über 16 ha Land, die in verschiedene Hände gelangten.

Im Jahr zuvor war an Johann Heyder der Hof verpachtet worden. Der Sülzenberg umfaßte damals 17 Morgen Weinberg, von denen Heyder selbst aber nur 3 ½ Morgen innehatte, der größere Rest war an 21 kleine Winzer verpachtet.

Seit 1814 war die Sülz an den auswärtigen Bauern Matthias Parteler für die Hälfte des Weinertrages verpachtet. 1823 stand sie zur Versteigerung an. Sie brachte 12.165 Reichstaler ein. Der Hof umfaßte das Wohnhaus mit Stallung und einem Kelterhaus mit zusammen gut 1 ha und die Weinberge mit 7,5 ha. Wer Gut Sülz erwarb, ist unbekannt.

In den fünfziger Jahren ging es in den Besitz des jüdischen Fruchthändlers David Cahn über. In seinem Park endete im April 1872 mit einem Ball das zweitägige Fest aus Anlaß der feierlichen Einweihung der Oberdollendorfer Synagoge. Nach ihm ging die Sülz in verschiedene Hände. Zu ihr gehören nur noch wenige Ländereien, aber immer noch der gepriesene Gastgarten.

Den heute bestehenden Bau errichtete 1656 Johann in der Sultzen, der damalige Anerbe des Sülzenhofes. Ein mittelalterlicher Gewölbekeller liegt jetzt unter der Wiese. Als sein Besitzer Ende des 19. Jahrhunderts Gut Sülz zum Gasthaus umwandelte, erweiterte er das Haus zur Bachstraße hin mit reich geschnitztem Balkon und Giebelverzierung. An der Hofseite legte er die Terrasse mit neugotischer Maßwerkbrüstung an. Damit schuf er eines der schönsten Gasthäuser unserer Heimat.

Den Artikel dürfen wir freundlicher Weise für unser Virtuelles Brückenhofmuseum verwenden.
Wir danken:
dem Autor Dr. Manfred van Rey,
der Stadt Königswinter,
der Professor-Rhein-Stiftung Königswinter.

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Als LINK und QR-Code: 
Unser Virtuelles Brückenhofmuseum
https://virtuellesbrueckenhofmuseum.de/vmuseum/museum.php



Bild von 1991
Quelle: Text aus "Königswinter in Zeit und Bild"
Zur Verfügung gestellt von Ferdinand und Maria Schuchert
Marker David Cahn - Vorbesitzer des GUT SÜLZ 1857 bis 1891 - Marker Das Gut Sülz heute - Marker Der Weinwanderweg am Rheinsteig

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Raum: Straßen A-H Vitrine: Bachstraße
Raum: Gewerbe Vitrine: Gastwirtschaften, Hotels etc.
Raum: Heisterbach
Raum: Siebengebirge und der Rhein
Galerie: Gut Sülz 1930/ 1934
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